Von Halle nach Bernburg
Reise

Mit dem Rad von Halle nach Bernburg

Manch eine Idee wirkt zunächst richtig gut, aber sobald es an die Umsetzung geht wird es haarig. Ich hatte die Idee, mit dem Fahrrad meiner alten Heimat Halle an der Saale nach Bernburg zu fahren. Das letzte Mal durch meine Saalestadt, die ich 13 Jahre mein zu Hause nannte.

Hintergrund meiner Radreise war mein Umzug von der Händel- in die Eulenspiegelstadt. Die Wohnung in Halle war fast leer, ein paar Überbleibsel lagen noch verstreut. Wenn ich also schon nach Bernburg fahre, dann muss auch Inventar mit. Das Ende vom Lied waren fast 40 Kilogramm »Kleinkram«: Kleidung, Küchenmesser, Lade- und Verlängerungskabel, Bücher … Warum war das beim Umzug eine Woche vorher übersehen worden?

Durchdacht war das Ganze also nicht wirklich. Der Rucksack war schwer, der Gepäckträger voll. Trotzdem bleib es beim Plan: Immer auf dem Saaleradweg bleiben und kurz vor dem Ziel die Abzweigung zu meiner neuen Bleibe nehmen. So weit, so gut. Karte eingepackt, Wasser abgefüllt. Proviant? Ein Apfel und ein paar Nüsse. Das sollte für rund 50 Kilometer reichen. Aber wie so oft kam alles ganz anders.

Adieu Halle an der Saale

Das Mehr an Gepäck ist am Anfang natürlich nicht so schlimm und immerhin stand keine Brockenwanderung an (aber das ist eine andere Geschichte).

Tipp: Am Ende des Beitrags findest du alle Stationen meiner Reise.

Ich fuhr vom Stadtteil Wörmlitz direkt auch den Saaleradweg. Da der Südstadtring zu dieser Zeit eine einzige Baustelle war, musste ich langsam fahren. Statt auf dem Radweg zu bleiben, nahm den Umweg über die Rabeninsel. Ich kann nur empfehlen, hier vom eigentlichen Radweg abzuweichen und stattdessen auf den Wegen der Insel zu halten. Natur pur. Um wieder auf den Saaleradweg zu kommen, fuhr ich entlang des Flusses nach Norden, bis ich den Abschnitt »Pulverweiden« erreichte. Dann ging es auf die Hafenbahntrasse und von dort bis zur Saline. Nach links (Westen) abgebogen, über die Elisabeth-Brücke machte ich einen Umweg zum Stadtteil Heide-Nord.

Wandergans auf Reisen
Die Saale an der Pögritzmühle.

Von Halle ins Umland

Am besten ist es, Halle auf dem Saaleradwanderweg zu verlassen. Die Tour führt ohne große Steigungen entlang der Felder bis zum Örtchen Brachwitz. Dort steht die Fähre zur Überfahrt bereit. Zum Zeitpunkt meiner Reise kostete die kurze Fahrt 1,20 Euro.

Der Radweg ist wunderschön, allerdings ist er nicht schattig. Deswegen ist eine Kopfbedeckung zu empfehlen. Im Grunde reicht schon ein Fahrradhelm und eine Sonnenbrille. Zusätzlich nutze ich noch Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50. Nur zur Sicherheit.

Das nächste Etappenziel war Mücheln, von dort ging es weiter nach Wettin bis nach Rothenburg an der Saale. Vorsicht! Hier habe ich mich verfahren – wie so oft. Es gibt zwei Möglichkeiten: A) Du fährst weiter auf dem Saaleradweg, der leider schlecht ausgeschildert ist. B) Du nimmst die Rotheburger Fähre, querst die Saale und fährst die alternative Route. Oder du machst es wie ich und nimmst C) die Landstraße, aber das ist eine ziemlich dumme Idee.

Verfahren in Rothenburg

Wandergans Reiseblog - Foto vom Saaleradweg
Pause in Rothenburg an der Saale. Mit der Wandergans, viel zu viel Gepäck und kaum noch Wasser.

Das Problem an Rothenburg ist die Hanglage. Ich wollte nach Könnern, das bedeutet als bergauf am Straßenrand. Hier gibt es keine Radwege mehr. Bei schlechtem Wetter sollte also immer eine Warnweste griffbereit sein, die außerhalb der Ortschaft fahren die Autos schnell.

Da ich ohne Motorhilfe fahre, bin ich am Ende abgestiegen und habe mein Rad den Berg hinauf geschoben. Klar: Die Aussicht war unglaublich, aber meine Lungen fanden es weniger super, die mich überholenden Wagen waren auch alles andere als begeistert. Kurz vor dem Ortsausgang habe ich eine Pause eingelegt. Und siehe da: Ich bin schon ungefähr 40 Kilometer gefahren. Kam mir bis dahin nicht so lang vor. Rein technisch lägen also noch zehn weitere Kilometer vor mir, aber natürlich war das zu diesem Zeitpunkt eine Wunschvorstellung. Das schlimmste: Mir ging das Wasser aus! Nachschub in Rothenburg? Fehlanzeige, und das an einem Montag.

Nach meiner Pause also wieder das Gepäck geschultert und weiter ging es. Das Problem bei diesem Umweg: Ich fuhr landeinwärts nach Garsena (und noch immer kein Trinkwasser) und von dort nach Könnern, wo ich meine Vorräte in einem Supermarkt endlich auffüllen konnte. Wäre ich jetzt schlau gewesen, hätte ich über die L 154 nach Georgsburg und dort zurück auf den Radweg fahren können … Ich war aber nicht schlau, also weiter nach Bernburg.

Endlich am Ziel

Ich fuhr also die Hallesche Straße weiter nach Norden Richtung Bernburg. Das ist keine gute Straße für Radler, ich würde sie niemandem empfehlen, außer er oder sie sucht den Adrenalin-Kick. Die Straße (L 50) führt durch Trebitz, Bebitz nach Peißen. Immerhin, letzteres ist ein Ortsteil Bernburgs. Aber leider auf der östlichen Seite der Saale. Mein Ziel lag auf der Westseite. Wie also über die Saale kommen? Ich wusste, dass es im Ort Gröna eine Brücke gibt, die auch Teil des Saaleradwegs ist. Von Peißen also fuhr ich auf dem Kelter Weg in das beschauliche Örtchen. Zum Glück konnte ich in Gröna wieder auf den Radweg wechseln und befand mich endlich wieder in der Natur und neben mir: die Saale.

Wandergans Reiseblog - Foto vom Saaleradweg
Die Fußgänger- und Fahrradbrücke in Gröna, das Ziel ist fast erreicht!

Ich fuhr voller Glücksgefühle über die Fußgänger- und Fahrradbrücke und befand mich nun wieder auf dem richtigen Kurs. Von hier aus waren es nur noch rund 3 Kilometer bis nach Hause. Durch den Auwald und parallel zum Saaleradwanderweg – der von Gröna nach Bernburg und weiter bis nach Magdeburg führt – kam ich nach 56 Kilometern und einer reinen Fahrzeit von drei Stunden und 55 Minuten endlich in Aderstedt an. Müde, entkräftet, mit viel zu viel Gepäck; aber glücklich!

3 Kommentare

  • Hella Stöber

    Eine interessante Tourenbeschreibung und etwas abenteuerlich. Das sind genau diese Momente, woran man sich Jahre später noch erinnern wird. Nach dem Motto …weißt Du noch…damals.
    Tolle Erfahrung !!!

  • Iam Noone

    Sehr schöner Erlebnisbericht mit tollen Anekdoten. Ich erkenne mich an einigen Stellen wieder. Vor allem bei Option C. In Zukunft gerne mehr davon!

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